Wenn die Kinder vom Kindergarten in die Schule wechseln ist das eine aufregende Angelegenheit. Die meisten Kinder freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt und sprechen schon lange vor der Einschulung von nichts anderem.

Damit sich das Kind in der neuen Situation zurechtfindet und von Anfang an ungestört mitlernen kann, ist es nützlich, wenn es bestimmte Dinge schon vor Schulbeginn beherrscht. Das regt nicht nur den Ehrgeiz an, es spart auch viel Mühe und Zeit für Eltern und Lehrer.

Und genau darum geht es im heutigen Gastartikel. Damit in Zukunft alle Kinder gut vorbereitet auf den Weg zur Schule gehen können.

1Allein nach Hause finden

Auch wenn die Kinder mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule gebracht werden, sollten sie sich in ihrer Wohngegend zurechtfinden und wissen, wo sie wohnen.

Geht das Kind zu Fuß zur Schule, sollten Schul- und Heimweg vor der Einschulung gemeinsam geübt werden.

Kinder sollten die eigene Adresse, den Namen der Schule und die Schulanschrift beherrschen und sie im Notfall anderen Menschen mitteilen können.

Das richtige Verhalten im Verkehr, der Umgang mit Fußgängerampeln und Zebrastreifen gehört ebenfalls dazu.

Tierlieben Kindern sollte man auch erklären, dass sie am Schulweg keine fremden Hunde anfassen dürfen.

Müll gehört nicht auf den Gehweg oder die Straße, sondern in einen Mülleimer.

Auf dem Schulweg kann man übrigens gleich den Unterschied zwischen links und rechts üben.

2Längere Zeit ruhig sitzen

Heutzutage brauchen Grundschulkinder glücklicherweise kaum mehr eine Dreiviertelstunde lang ruhig Frontalunterricht über sich ergehen lassen.

Trotzdem ist es gut, wenn sich die Kinder vor der Einschulung bereits über längere Zeit mit einer einzigen Sache beschäftigen können. Konzentration ist etwas, das man schon vorher zuhause üben kann.

Dabei kann es helfen, wenn man den Nachwuchs einfach öfter mal in Ruhe lässt und nicht ständig mit neuen Themen oder Dingen konfrontiert, wie es Erwachsene manchmal gerne tun.

Lässt man das Kind ab und zu ungestört malen, basteln oder spielen, dann lernt es ganz von selbst, den Fokus auf eine Tätigkeit zu richten. Die meisten Kinder befinden sich ohnehin einen großen Teil ihrer Zeit im „Flow“, im Alpha Zustand. Das ist ein Frequenzbereich im Gehirn, der es leichter macht, sich zu entspannen und sich neue Dinge zu merken. Er ähnelt der Phase kurz vor dem Einschlafen oder während einer Meditation. Der Alpha Zustand macht offen für Intuition, Phantasie und Kreativität.

Im Laufe der Schulzeit lernen die Kinder, sich aktiv auf eine Sache zu konzentrieren. Pubertierende und halbwüchsige Kinder befinden sich dann meistens im Beta-Zustand, einem anderen Frequenzbereich im Gehirn, wo sie besonders fokussiert, aufnahmefähig und lernbereit sein können. Um diesen Zustand zu erreichen, brauchen Eltern nichts zu tun.

Es ist jedoch auch kein Drama, wenn das Kind anfangs noch keine 45 Minuten durchgehend ruhig zu sitzen schafft. Kinder sind unglaublich anpassungsfähig und ahmen ihre Mitschüler sehr bald nach.

3Allein die Toilette benutzen

Im Spiel bzw. im Flow vergessen auch größere Kinder manchmal, rechtzeitig auf die Toilette zu gehen. Das sollte aber in der Schule nicht mehr passieren. Schulkinder sollten alleine zur Toilette gehen können.

Dazu gehört auch richtiges Abwischen, Klospülung bedienen und die Hände waschen. Die meisten Kinder üben das bereits im Kindergarten. In einer neuen Umgebung kann es am Anfang jedoch in all der Aufregung schon eine kleine Herausforderung sein.

Helfen kann es, am ersten Schultag gemeinsam mit dem Kind die Toilette zu besuchen und sich einen Überblick zu verschaffen.

Kann sich ihr Kind in der Früh alleine waschen, die Zähne putzen, sich die Haare kämmen und sich anziehen, so spart das sehr viel Zeit.

Das Zeitgefühl ist in dieser Phase noch nicht besonders gut entwickelt. Man kann sein Kind dabei unterstützen, wenn man ihm bestimmte Zeitvorgaben gibt. Beispielsweise können beim Fertigmachen immer die gleichen Lieder abspielt oder eine bestimmte Radiosendung morgens angehört werden. So kann sich gemeinsam langsam an die Uhrzeit herangetastet werden.

Die Uhrzeit lernen Kinder meist später – um das siebente Lebensjahr herum. Je früher aber damit begonnen wird, desto leichter fällt es.

Geduscht wird in der Schule in den ersten Klassen selten. Wozu auch – Kinder stinken dann noch nicht, wenn sie schwitzen. Sie sollten vor der Einschulung aber selbständig ihre Sportkleidung wechseln können. Dazu gehört auch das Zubinden von Schuhen.

4Übung mit der Schere haben

Gebastelt wird auch in der Schule. Deswegen sollte ein Schulkind sicher mit einer Schere umgehen können. Dazu gehört nicht nur die Fähigkeit, filigrane Formen ausschneiden zu können, sondern vor allem ein sicherer Umgang mit dem Schneidwerkzeug.

Wie man eine Schere richtig hält, trägt und übergibt und dass man damit nicht laufen sollte, müssen Kinder vor der Einschulung wissen.

5Keine Angst vor Zahlen

Die meisten Kinder lieben Zahlen und lernen sie fast leichter als Buchstaben.

Sie brauchen vor der Einschulung noch nicht rechnen zu können, aber wenn es ihnen Freude bereitet, spricht nichts dagegen, ihnen die Grundregeln der Mathematik schon früh beizubringen.

Je besser und früher ein Kind rechnen kann, desto schneller entwickelt sich auch sein Zeitgefühl und seine Abstraktionsfähigkeit, die für den Schulbesuch sehr wichtig ist.

Im antiken Griechenland galt die Mathematik als Basiskompetenz für alle weiteren Ausbildungen. Nur wer gut rechnen konnte, durfte weiterlernen.

Rechenlernspiele lassen sich schnell und einfach in den Alltag integrieren:

  • Das Kind kann beim Tisch decken helfen und alle Löffel, Teller oder Servietten zählen.
  • Beim Kochen oder Backen können sie dabei helfen, die Zutaten abzuwiegen und eine Ahnung vom Bruchrechnen bekommen sie durch das Teilen von Kuchen, Pizza, Obst oder Schokoladentafeln.
  • Beim Spazierengehen lieben schon kleine Kinder das Abzählen von Treppenstufen, Bäumen, Autos oder Häusern.
  • Ein lustiges Spiel kann auch das Raten von Schritten sein. Wie viele Schritte brauchen wir noch bis zum nächsten Baum, bis zur nächsten Ampel, bis zum Mülleimer?
  • Beim Einkaufen kann man seinem Kind erklären, was die verschiedenen Lebensmittel kosten und wie viel Geld sie dabei haben.
  • Zahlen die Kinder dann ganz alleine und selbständig an der Kasse, können sie die Summe und das Restgeld berechnen und bekommen ein Gefühl für Additionen und Subtraktionen.

Mehr Rechenmodelle und Anleitungen, für einen spielerischen Weg zum Umgang mit Zahlen gibt es auf dieser Seite.

6Nein sagen können (und dürfen!)

In Schweden lernen Kinder im Kindergarten schon die Phrase: „Stopp, min kropp”, was so viel heißt wie: „Stopp, mein Körper!“.

Sich abgrenzen zu können und in der Lage zu sein, zu formulieren, wenn man etwas nicht möchte ist wichtig für Kinder. So können sie sich nicht nur gegen Missbrauch wappnen. In der Schule gibt es auch sehr häufig Gruppenzwang oder andere negative Dynamiken.

Je selbstbewusster ein Kind ist, desto bestimmter kann es „Nein“ zu Dingen sagen, bei denen es kein gutes Gefühl hat.

7Rücksicht auf andere nehmen

Nein sagen zu können, heißt aber auch ein Nein von anderen akzeptieren zu können.

Damit es in der Pause, am Spielplatz oder im Sportunterricht auch mit den anderen Kindern klappt, sollten Schulkinder ein Gefühl dafür entwickelt haben, dass andere Personen auch Bedürfnisse haben und manchmal einfach in Ruhe gelassen werden möchten.

Der dänische Pädagoge Jesper Juul schlägt Eltern deswegen vor, schon von klein auf ehrlich gegenüber ihrem Nachwuchs zu sein und auch mal zu sagen: „Das möchte ich jetzt nicht“ oder „Es stört mich, wenn du das so machst“.

Wenn Eltern ihre Gefühle nicht verstecken und offen über sie sprechen, lernen Kinder viel schneller, ein Gefühl von Empathie zu entwickeln.

Die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen ist eine Schlüsselfähigkeit im menschlichen Zusammenleben und macht Kinder stark (mehr dazu in diesem Artikel auf n-tv).

Dazu gehört auch ein reflektierter Umgang mit der eigenen Frustration, wenn nicht alles nach dem eigenen Kopf geht. Je ehrlicher und genauer man Kinder daran teilhaben lässt, wie es einem selbst in bestimmten Momenten geht, desto einfacher wird es für sie, andere Befindlichkeiten zu akzeptieren und zu verstehen.

Jesper Juul sieht darin eine Kompetenz, die man durchaus üben kann: Empathie oder Mitgefühl ist eine Form, in der sich das „In-sich-selbst-Ruhen“ im Miteinander mit anderen Menschen ausdrückt. Dabei wird jeder Mensch mit der Anlage dazu geboren, empathiefähig zu sein und in sich selbst zu ruhen. Und diese Anlage kann man entwickeln und vertiefen.

8Balancieren und mit Bällen spielen können

Damit der Turnunterricht Spaß macht, sollten es Kinder vor der Einschulung beherrschen, auf einer schmalen Fläche zu balancieren und einen Ball zu fangen und ihn weiter zu werfen.

Motorische Fähigkeiten unterstützen die Gehirnleistung, die in der Schule noch mehr beansprucht wird.

Nicht alle Kinder sind vor der Einschulung auf demselben Entwicklungsstand. Manche gehen es eben lieber gemütlich an. Wenn man aber kleine Geschicklichkeitsübungen vor der Einschulung übt, können sie im Sportunterricht gleich mitmachen.

9Nach Hause telefonieren

Man muss seinem Kind noch kein Smartphone in die Schule mitgeben, obwohl ein Telefon sehr praktisch sein kann, da sie im Zweifelsfall via Tracking sehen können, wo sich ihr Nachwuchs befindet.

Wenn das Kind allerdings mit einem Telefon umgehen kann und auch weiß, wann es sprechen und wann zuhören muss, kann das eine große Erleichterung sein. Kann das Kind ihre Telefonnummer auswendig oder sogar ein Festnetztelefon bedienen, kann es sie im Notfall anrufen.

Eine Telefonnummer zu kennen und die Ziffern in ein Telefon eingeben zu können fördert auch das mathematische Verständnis und den Spaß am Umgang mit Zahlen. Eine kleine Expedition kann auch ein Ausflug zu einem Münztelefon sein.

10Selbst Frühstück machen

Spätestens mit Schulbeginn sollten Kinder ihre eigene Routine kennen und alleine beherrschen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Selbständigkeit.

Wenn sich ein Kind alleine das Frühstück richten kann, spart das viel Zeit im morgendlichen Trubel. Das muss nicht heißen, dass Kinder alleine am Küchentisch sitzen müssen. Wenn man sie in die Alltagsroutine einbindet und sie Essen auch für andere Familienmitglieder zubereiten lässt, schafft das Erfolgserlebnisse und stärkt das familiäre Miteinander.

Gemeinsames Frühstücken bietet Gelegenheit, sich behutsam auch den Schul- und Arbeitstag einzustimmen.

Kleine Matheübungen lassen sich auch hier spannend integrieren. Man kann die Kinder die Uhrzeit beim Eier kochen stoppen lassen, sie können die Aufsicht darüber bekommen, wie lange der Tee ziehen darf oder man kann sie berechnen lassen, wie viele Löffel Kaffee in die Kanne kommen.

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