Erfahrungsbericht von Jenni – Heißhunger, Gefühlschaos und eine Horrorgeburt

Jenni ist 37 Jahre alt und kommt aus dem schönen Baden-Württemberg. Söhnchen Leonard ist 2016 im September geboren. Jenni ist freischaffende Künstlerin und freut sich gerade auf einen weiteren Zwerg und ein Schwesterchen für Leonard.

Heißhungerattacken und langanhaltende Erschöpfung haben die erste Schwangerschaft erschwert. Leonard hat es so sehr im Bauch gefallen, dass er 15 Tage nach dem Geburtstermin per Not-Kaiserschnitt geholt werden musste. Inzwischen geht es beiden aber prächtig.

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Wie bist du schwanger geworden?

Leonard ist ein echtes Wunschkind. Wir haben fast zwei Jahre auf ihn gewartet und es immer wieder versucht und gebangt. Zeitweise habe ich mich total verrückt gemacht. Ovulations-Sticks, Fruchtbarkeitsapp, Vitamine und das Hibbeln jeden Monat haben uns beide ganz schön belastet. Im Nachhinein hätte man es vielleicht auch etwas entspannter angehen können…

Aber ich kam mir schon so alt vor mit Mitte Dreißig, dass ich zeitweise echte Panik hatte, dass es niemals klappt.

Als ich dann das erste Mal schwanger wurde waren wir überglücklich. Leider ist daraus dann ein Sternchen geworden. Es hat die 6. Schwangerschaftswoche nicht überlebt und ist von selbst abgegangen.

Trotzdem, dass es so früh in der Schwangerschaft passiert ist, war ich am Boden. Wir hatten und schon so auf den kleinen Mensch gefreut.

Etwa 5 Monate später hat es dann tatsächlich geklappt. Ich hab versucht, mich die erste Zeit ein bisschen zu distanzieren, dass die Enttäuschung und Trauer im schlimmsten Fall nicht wieder so schlimm wird. Aber als ich dann mit meinem Mann zusammen das erste Mal den Herzschlag gesehen und gehört habe, war es um uns geschehen.

Wie lange ist deine Entbindung jetzt her und wie geht es dir und deinem Kind?

Leonard ist jetzt gut anderthalb Jahre alt und ein echter Rabauke. Er entwickelt sich prächtig, ist ganz selten krank und liebt alles was laut und groß ist. Wir haben noch ein kleines Problem mit dem Durchschlafen, aber das bekommen wir auch noch in den Griff. Zurzeit schläft er deshalb meistens noch bei meinem Mann und mir im Familienbett.

Mir geht es auch wieder gut. Ich habe etwa 3 Monate nach der Geburt wieder mit dem Sport angefangen und fühle mich fast wieder wie vorher. Nur meine Füße sind eine halbe Nummer größer geworden und die Hüfte etwas breiter. Mein erhebliches Schwangerschaftsgewicht (insgesamt fast 30kg) habe ich wieder verloren. Alles kein Drama.

War das deine erste Schwangerschaft? Und verlief die Schwangerschaft so, wie du es dir vorgestellt hast?

Es war nach der Fehlgeburt meine erste und ziemlich sicher auch letzte Schwangerschaft.

Ich habe mit mehr Übelkeit und weniger Gefühlschaos gerechnet. Ansonsten gab es keine großen Überraschungen.

Was hat sich für dich in der Schwangerschaft geändert?

Es musste alles etwas langsamer und entspannter werden. Ich bin auch wesentlich emotionaler geworden. Ansonsten kamen die großen Veränderungen erst nach der Geburt, als der kleine Mann dann bei uns eingezogen ist.

Während der Schwangerschaft selbst habe ich noch bis fast zum Schluss gearbeitet, Sport getrieben und eigentlich mein Leben so gelebt wie vorher.

Die Schwangerschaft selbst war relativ unproblematisch.

Hattest du irgendwelche typischen oder untypischen Schwangerschaftsbeschwerden?

Ich hatte keine Übelkeit. Das ist wohl das erste, woran man bei Schwangerschaft denkt.

Aber ja, ich hatte einige der typischen Beschwerden:

Ich hatte ständige und gemeine Heißhungerattacken. Das hatte ich so vorher noch nie erlebt und hätte es mir auch nicht vorstellen können. Es war wirklich schlimm. Ich habe teilweise weinend im Bus gesessen, weil ich nichts zu essen dabeihatte und das Gefühl hatte, dass ich gleich verhungere. Dabei bin ich normalerweise überhaupt nicht der Typ, der schnell weint. Fast 30kg habe ich in der Schwangerschaft zugenommen. Von Normalgröße auf Walumfang. Beim Baden hatte ich Angst, dass jemand versucht mich ins Meer zurück zu schieben…

Und dann waren da noch die Hormone. So ab dem 3. Trimester ging es richtig los mit dem Gefühlschaos. Ich hab so ziemlich über alles geweint. Ich kann mich noch an einen Nachmittag erinnern, der kurz vor der Geburt war. Ich konnte mich da schon kaum mehr bewegen und habe auf Youtube eine indische Backshow angeschaut (warum auch immer…). Ich hab natürlich kein Wort verstanden, aber musste trotzdem vor Rührung weinen, da die Muffins, die sie gebacken haben, so schön waren.

Ganz typisch war wohl auch das Wasser, das sich in Händen, Füßen und überall sonst angesammelt hatte. Das hat mich doch ziemlich belastet und zu argen Schmerzen in den Händen geführt. Ich konnte auch nur noch Flip-Flops anziehen, da ich in keine anderen Schuhe mehr gepasst habe. Zum Glück war ich im Sommer hochschwanger. Ich habe auch in der Woche nach der Geburt allein ca. 10kg Wasser ausgeschwitzt. Das war übrigens kein Spaß und davon hat mir vorher keiner was gesagt.

Hast du etwas Bestimmtes für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden getan? z.B. Ernährung, Pflege, Medikamente…

Ich hab Folsäure genommen zu Beginn der Schwangerschaft. Allerdings habe ich die nicht besonders gut vertragen und dann irgendwann mit Zustimmung meines Arztes darauf verzichtet.

Ich habe auch Vitamin D in höherer Dosierung genommen und dann ab dem 2. Trimester noch Magnesium, da ich öfters nachts Wadenkrämpfe hatte. Die sind dann wesentlich besser geworden.

Ab und zu hab ich auch daran gedacht, mir nach dem Duschen den Bauch einzucremen. Dass ich keinen einzigen Schwangerschaftsstreifen habe, liegt aber wahrscheinlich eher an meinem guten Bindegewebe (Danke Mama!).

Hast du in der Schwangerschaft auf irgendetwas verzichtet? z.B. Ernährung, Aktivitäten…

Auf Anraten meines Arztes habe ich auf das Joggen verzichtet.

Das Buch Expecting Better von Emily Oster hat mich etwas entspannter gemacht, was die Ernährung angeht. Ich habe auf so gut wie nichts verzichtet, trotzdem Sushi gegessen und Kaffee getrunken. Ich habe allerdings meine Lebensmittel sorgfältiger ausgewählt und versucht so viel lokal und Bio zu kaufen wie möglich.

Ich habe auf Alkohol komplett verzichtet, habe rauchende Menschen vermieden und so gut wie keine Medikamente genommen.

Während der Schwangerschaft habe ich meine Haare mit Naturhaarfarben (Khadi) gefärbt.

Hast du Kontakt zu anderen Schwangeren oder Müttern gesucht?

Nicht wirklich. Ich habe schon so oft und so viel über meine Schwangerschaft geredet, dass ich eigentlich ganz froh war, wenn ich über Anderes sprechen konnte.

Ich hab natürlich dann gegen Ende der Schwangerschaft einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht und nach der Entbindung habe ich dann über das PEKIP und einen Mama-Baby-Fitness Kurs andere Mütter kennengelernt.

Jetzt inzwischen lerne ich automatisch fast täglich neue Mütter kennen über die Krabbelgruppe oder das Kinderturnen. Bald wir Leonard auch in den Kindergarten kommen.

Aber das ist alles ganz automatisch passiert und ich habe nicht extra darauf hingearbeitet.

Wie hast du dich auf die Geburt vorbereitet?

Ich habe einige Bücher und Erfahrungsberichte zum Thema gelesen.

Wir haben unser Krankenhaus mit Bedacht ausgewählt, da ich unbedingt eine natürliche Geburt haben wollte. Deshalb sind wir in eine Klinik gegangen, die eine der niedrigsten Kaiserschnittraten in Deutschland hat. Im Nachhinein war das nicht die allerbeste Entscheidung, aber vorher weiß man das natürlich nie.

Ich habe mehr als 2 Wochen übertragen und in der Zeit ist dann langsam die Panik ausgebrochen und ich habe noch hektisch versucht, mich mit dem Thema Hypnobirthing zu beschäftigen. Das war aber ziemlich sinnlos.

Ansonsten wollte ich Leonard am liebsten ohne Medikamente und ganz natürlich auf die Welt bringen.

Welche Hilfsmittel haben dir während der Schwangerschaft und während der Geburtsvorbereitung geholfen? z.B. Kurse, Bücher, Apps…

Das Wichtigste war wohl:

Ist die Geburt nach Plan verlaufen? Hast du Lust, uns von der Geburt zu erzählen?

Nein! Die Geburt ist definitiv nicht nach Plan verlaufen.

Die ersten richtigen Wehen begannen an einem sonnigen Sonntagabend mit einem Abstand von 10 Minuten. Zu dem Zeitpunkt war ich schon 11 Tage über Termin.

Nachts hat mein Körper dann meiner Meinung nach die Geburt eingeleitet. Das heißt, der Darm hat sich in Wellen heftig entleert und die Wehen wurden stärker. Aber der Abstand hat sich nicht verändert. Immer im 10 Minuten-Takt. Geschlafen hab ich kaum, denn es war schon ziemlich schmerzhaft.

Morgens sind wir dann ins Krankenhaus gefahren. Die Wehen kamen zwar immer noch nicht häufiger, aber ich habe Flüssigkeit verloren und dachte, dass die Fruchtblase geplatzt ist.

Die Ärztin war anderer Ansicht und hat uns wieder nach Hause geschickt. Wir sollten wiederkommen, wenn sich etwas ändert.

Den ganzen Tag und die ganze Nacht habe ich weiter Wehen gehabt und weiter ab und zu ein wenig Flüssigkeit verloren. Wir sind dann am Dienstagmorgen wieder in die Klinik gefahren. Das war Tag 13 nach ET.

Diesmal war das Wasser anscheinend doch von der Fruchtblase und ich wurde eingewiesen und an den Antibiotika-Tropf gehängt. Weiter ist an diesem Tag nichts passiert. Außer, dass ich schier wahnsinnig geworden bin, da die Wehen nun seit 3 Tagen in 10 Minuten Abständen kamen und so stark waren, dass an Schlaf kaum zu denken war.

Mittwoch morgens habe ich dann einen Wehencocktail bekommen. Rizinusöl. Das war natürlich sinnlos, da der Darm sich schon 2 Tage vorher entleert hatte und ich seitdem kaum etwas gegessen hatte.

Einen weiteren Tag und eine weitere Nacht wurde nichts unternommen. Ich hab in einem endlosen halbwachen Zustand vor mich hingedämmert und inzwischen fast mit jeder Wehe eine kurze Panikattacke bekommen. Ohne meinen Mann hätte ich das glaub ich nicht durchgestanden.

Am Donnerstagmorgen nach einer weiteren schlaflosen Nacht habe ich es nicht mehr ausgehalten und nach einer PDA verlangt. Die Hebamme wollte mir stattdessen Paracetamol geben und hat erst 2 Stunden später die Ärztin verständigt, die dann schließlich auch eingesehen hat, dass ich am absoluten Ende war. Der Muttermund war immer noch kaum geöffnet.

Erfahrungsbericht GeburtZur Erinnerung: Die Fruchtblase war schon am Montag aufgegangen, Dienstag wurde ich eingewiesen und inzwischen war es Donnerstag…

Ich habe schließlich die PDA bekommen und wurde an den Wehen-Tropf gehängt. Das war morgens um 10. Das hat mir zumindest ein paar Stunden Schlaf beschert.

Nachmittags um 4 war allerdings nichts weiter passiert und die PDA ließ langsam nach. Sehr starke Wehen im 10 Minuten Takt und der Muttermund war nur 3 cm geöffnet.

Jetzt wurde das erste Mal die Lage des Babys kontrolliert. Nach 3 Tagen. Nur um dann festzustellen, dass es nie von alleine herauskommen kann, da der Kopf abgeknickt war und es so nicht am Schambein vorbeikommen könnte und auch nicht wirklich auf den Muttermund drückt.

Dann ging alles sehr, sehr schnell. In Vollnarkose (die PDA hat nicht gereicht, da sie zu tief saß) wurde der Kleine geholt und ich konnte ihn endlich in den Arm nehmen.

Trotz der etwas entspannten Herangehensweise des Krankenhauses, ging es uns nach der Geburt beiden sehr gut.

Wie schnell hast du dich von der Geburt erholt und wie ging es dir in den ersten Tagen und Wochen?

Die Geburt war der Horror, aber danach ging es mir sehr schnell wieder besser. (Ich habe nur 12 Stunden Schmerzmittel bekommen, danach hatte die zuständige Schwester vergessen, den Tropf wieder aufzufüllen.)

Ich war sehr schnell wieder auf eigenen Beinen.

Und so unorganisiert und schlecht die medizinische Versorgung für mich war, die Pflege der Neugeborenen und die Unterstützung von Mutter-Kind-Bindung und Stillen hätte nicht besser sein können.

Leonard hat die ersten 3 Tage meine Brust praktisch nicht verlassen. Er hat auf mir geschlafen, gekuschelt, genuckelt, selbst die U-Untersuchungen wurden direkt auf mir durchgeführt.

Eine Stillberaterin hat jeden Tag nach dem Rechten gesehen und trotzdem wurde auch angeboten, dass zugefüttert werden kann.

Die Säuglingspflege habe ich als vorbildlich empfunden.

Zu Hause dann war ich ca. 1 Woche nach der Entbindung wieder in der Lage alles selbst zu tun. Zwar langsam, aber jeden Tag etwas besser. Ich konnte den Kinderwagen schieben, den Haushalt erledigen und den Kleinen versorgen.

Ziemlich ätzend war das Wasser, dass ich jede Nacht literweise ausgeschwitzt habe. Teilweise habe ich auf 2 Handtüchern geschlafen und musste die auch nachts wechseln.

Die Panik vor dem Kaiserschnitt war zumindest in meinem Fall unbegründet.

Das blödeste: Die 15 Kilo, die nach der Geburt und nach dem Wasserverlust noch übrig waren. Die sind inzwischen zwar auch wieder weg, aber spaßig war das nicht.

Was hättest du anders gemacht, wenn du jetzt nochmal anfangen könntest?

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich hätte mir ganz sicher ein anderes Krankenhaus ausgesucht. Aber ganz ehrlich, Leonard ist gesund, ich bin gesund, alles ist gut.

Nach dieser fast endlosen Geburt habe ich jetzt eine andere Perspektive. Viele Dinge haben sich relativiert und erscheinen nicht mehr ganz so katastrophal. Es geht uns gut, was soll ich mich da über Kleinigkeiten ärgern.

Was möchtest du anderen Schwangeren mit auf den Weg geben? Was hättest du dir als Info gewünscht?

Entspannt bleiben. Auf den eigenen Bauch hören.

Die guten Meinungen von Mutter, Schwiegermutter, Oma, Kusine, Mamaforum auch getrost mal völlig ignorieren.

Es wird schon.

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