Erfahrungsbericht von Julie – Verlustängste und Geburtsstillstand

Julie ist in den 30ern und vierfache Mama. Neben der Schreiberei für ihren Blog liest sie unheimlich gern und ist viel draußen unterwegs.

Ihr Leben dreht sich hauptsächlich um die vier kleinen Wesen, den Herzmann und die Alltagsprobleme, die man mit „überdurchschnittlich vielen Kindern“ zu bewältigen hat.

 

Erzähl uns ein bisschen was darüber, wie du schwanger geworden bist.

Hier gehe ich auf meine Älteste ein, denn diese Schwangerschaft ist die, die ich am bewusstesten erlebt habe, da das „Drumherum“ noch nicht so sehr abgelenkt hat.

Ich traf diesen Mann, wusste, der ist es. Wir verhüteten recht schnell nicht mehr und haben es darauf ankommen lassen. Es war also weder geplant noch ungeplant, sondern passierte einfach.

Wie lange ist deine Entbindung jetzt her und wie geht es dir und deinem Kind?
Erfahrungsbericht Julie

Im Sommer werden es 9 Jahre sein.

Die Anfangszeit war unheimlich schwer. Ich war unbedarft, habe mir von anderen sehr viel reinreden lassen, und es war für uns beide keine schöne Zeit. Mittlerweile wissen wir beide, die Große und ich, dass wir miteinander wachsen. Unser Band ist eng, und ich bin dankbar für so ein tolles Kind.

War das deine erste Schwangerschaft? Und verlief die Schwangerschaft so, wie du es dir vorgestellt hast?

Nein, meine erste Schwangerschaft endete in einer Fehlgeburt in der 12. Woche. In der Schwangerschaft mit der Großen hatte ich folglich sehr viel Angst – die durch Blutungen unterstützt wurden.

Von außen hört man immer von den glücklichen Schwangeren, die alles überstrahlen. Ich kam mir vor wie ein Walross, gefangen in der Angst, noch ein Kind verlieren zu müssen.

Was hat sich für dich in der Schwangerschaft geändert?

Ich habe gelernt, besser auf meinen Körper zu achten. Aber auch, dass man nicht alles allein stemmen kann. Ich selbst bin dadurch ziemlich schnell erwachsen geworden, denn nun hatte ich nicht nur Verantwortung für mich, sondern auch für ein kleines Leben unter meinem Herzen.

Hattest du irgendwelche typischen oder untypischen Schwangerschaftsbeschwerden?

Erdbeeren und Cheeseburger. Wenn ich das nicht kombiniert essen konnte, wurde ich zur Furie.

Ansonsten waren die Symphysenschmerzen alles andere als angenehm, und der Schlaf ab der 32. Woche war eher ein Dämmerzustand.

Hast du etwas Bestimmtes für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden getan? z.B. Ernährung, Pflege, Medikamente…

Die typischen Dinge eben, die man so vom Gynäkologen geraten bekommt. Folsäuretabletten, den Bauch gezupft und gepflegt, damit er keine Risse bekommt (hätte ich mir sparen können), Alkohol und bestimmte Lebensmittel wegen möglicher Schäden für das Baby meiden.

Ich glaube, für mein Wohlbefinden waren die Treffen mit der Hebamme ziemlich förderlich. Sie sprach mir immer Mut zu und nahm mich und meine Sorgen ernst.

Hast du in der Schwangerschaft auf irgendetwas verzichtet? z.B. Ernährung, Aktivitäten…

Ich habe, wie gesagt, nach den gängigen Listen Lebensmittel ausgeschlossen, die dem Baby hätten schaden können. Und bis zur 12. Woche vermied ich jegliche Bewegung, die nicht sein musste, damit keine weiteren Blutungen entstehen.

Erfahrungsbericht Jenni

Hast du Kontakt zu anderen Schwangeren oder Müttern gesucht?

Nicht wirklich.

Also ich war schon im Geburtsvorbereitungskurs, in dem ich mich gern mit den Anderen unterhalten habe – auch wenn sie alle weit älter waren als ich mit 22. Aber im Endeffekt reicht mir bis heute der Kontakt zu denen, die ich davor schon lange kannte. In meinem Freundeskreis kommen nun langsam die ersten Kinderplanungen auf, während meine Große nun bald die vierte Klasse besucht.

Wie hast du dich auf die Geburt vorbereitet?

Naja, ich dachte, es passiert wie im Lehrbuch. Zumindest habe ich mich mit der Hebamme und der Ärztin damals darüber unterhalten. Atemtechniken und dergleichen aus dem Vorbereitungskurs waren ganz interessant, und auch der ein oder andere Ratgeber wurde verschlungen.

Welche Hilfsmittel haben dir während der Schwangerschaft und während der Geburtsvorbereitung geholfen? z.B. Kurse, Bücher, Apps…

Damals war es das StudiVZ, in dem ich ein paar liebe Menschen entdeckt habe, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, wenn ich ratlos war. Oder eben meine Hebamme.

Hattest du einen Geburtsplan und wie sah dieser aus?

Erfahrungsbericht JulieNein, das hatte ich nicht.

Das Krankenhaus, das ich für die Geburt gewählt hatte, habe ich vorab besucht und mich dort mit den Hebammen besprochen. Aber einen schriftlichen Geburtsplan hatte ich nicht. Bei keinem der vier Kinder. Was ich unter keinen Umständen wollte, habe ich einfach bei der Vorbesprechung gesagt.

Ist die Geburt nach Plan verlaufen? Hast du Lust, uns von der Geburt zu erzählen?

Nein, das ist sie gar nicht. So überhaupt nicht.

Man hört ja immer, man bekommt Wehen, kann sich dann noch duschen, frisch machen und geht dann gemütlich ins Krankenhaus. Erstgebärende brauchen ja auch ein bisschen länger, heißt es.

Hier startete es mit einem Blasensprung abends um 10. Und weil das Köpfchen noch nicht fest im Becken saß, durfte ich im Krankenwagen vorfahren. Bis ich ankam, hatte ich schon Wehen, die nicht mehr so leicht zu veratmen waren.

Als ich nach 2,5 Stunden eine PDA verlangte, meinte die Anästhesistin nur, das sei ziemlich schwach, so schnell schon aufzugeben. Um das noch zu toppen, sagte sie, während sie in meiner Wirbelsäule stocherte „Tut mir leid, ich treffe nicht, Sie sind zu fett!“. Ich schrie sie an mit all meiner Wut, dass sie mich nicht begleiten wollte, sondern niedermachte.

Als die PDA dann wirkte, wurden die Herztöne schlechter. Es war von Notkaiserschnitt die Rede. Vom Arzt weit und breit keine Spur, obwohl er von der Hebamme längst angerufen worden war. Und so versuchte man, mich durch Umlagerung voranzutreiben.

Dann setzten nach 5 Stunden die Presswehen ein – und es ging nichts. Mit jeder Presswehe sackten die Herztöne ab. Zwischendrin entschuldigte sich die Anästhesistin für ihre Worte, denn sie merkte wohl, auch als Erstgebärende geht es hier ein wenig heftiger und schneller zu.

Nach einer halben Stunde Presswehen und etwa 8 Wehenschüben „Mit der nächsten Wehe ist sie da!“ war dieser kleine Kopf draußen und sie wurde schnell von der Hebamme herausgedreht.

Mit dem ersten Schrei stand auch der Arzt in der Tür. Er war mit dem Fahrrad von der Nachbarstadt gekommen, denn normalerweise dauern Geburten des ersten Kindes ja ein wenig länger.

Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wäre diese tolle Hebamme nicht gewesen, wäre ich wohl aufgestanden und hätte das Kind lieber allein auf dem Parkplatz bekommen als dort.

Wie schnell hast du dich von der Geburt erholt und wie ging es dir in den ersten Tagen und Wochen?

Ich ging nach drei Tagen heim. Ich wollte nicht mehr ständig überwacht werden.

Körperlich erholte ich mich schnell von der Geburt. Das Gefühl, ausgeliefert zu sein, hing mir aber sehr lange nach. Und auch meinem Kind merkte man an, dass die Geburt alles andere als ein positives Erlebnis war.

Was hättest du anders gemacht, wenn du jetzt nochmal anfangen könntest?

In der Schwangerschaft nichts. Aber ich wäre wohl in ein Geburtshaus gegangen oder hätte eine Hausgeburt angestrebt.

Was möchtest du anderen Schwangeren mit auf den Weg geben? Was hättest du dir als Info gewünscht?

Wenn du Wünsche oder Bedenken hast, äußere sie! Lass dir nicht von außen reinreden, was für dich und dein Ungeborenes richtig oder falsch ist und vertrau auf dich.

Und nur, weil andere schon ältere Kinder haben, heißt das nicht, dass ihr „Wissen“ auch auf dich zutrifft. Finde einen Weg, der für dich in Ordnung ist, egal, was von Anderen kommt.

 

Wenn ihr wissen wollt, wie es Julie und ihrer Familie jetzt geht und wie ihr Alltag aussieht, dann schaut auf ihrem Blog vorbei. Dort gibt es übrigens auch richtig gute Rezepte:
http://www.puddingklecks.de/

Oder folgt ihr auf Instagram und Facebook:
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