Jetzt gerade in diesem Moment sitze ich an einem Picknicktisch in einem Camp an den Plitvicer Seen in Kroatien.

Neben mir steht unser Campervan und darin versucht gerade mein Mann, meine Tochter ins Bett zu bringen. Das WLan ist so lala. Aber das macht gar nichts, denn die Grillen zirpen, das Lüftchen ist lau, die Abendluft mild und der Wein, den wir aus Slowenien mitgebracht haben, schmeckt ausgezeichnet.

Unsere keine Familie ist gerade zwei Monate auf dem Balkan unterwegs.

Drei Personen im Campervan. Mal auf dem Campingplatz, mal freistehend.

Ich erzähle das alles nicht um anzugeben oder Eifersucht zu wecken, sondern um euch zu zeigen, dass die folgenden Tipps echte Erfahrungswerte sind.

Seit fast 20 Jahren sind wir Camper – egal ob Zelt, Rucksack oder wie jetzt ganz bequem im eigenen Kastenwagen. Seit wir Nachwuchs haben, ist unsere Tochter natürlich ebenfalls mit dabei. Zuerst als Baby, jetzt als Kleinkind. Und einiges hat sich seitdem verändert.

Deswegen möchte ich euch meine besten (und wichtigsten) Tipps fürs Campen mit Kindern mit auf die Reise geben.

Damit ihr euch ein paar nervige Fehler erspart, die wir am Anfang gemacht haben.

Und damit geht es auch schon los.

1 Der eigene Bereich

Familie Wohnmobil

Beim Baby ist es wahrscheinlich noch nicht so wichtig. Aber wenn das Baby zum Kleinkind wird und das Kleinkind zum Kindergartenkind, dann solltet ihr dem Nachwuchs einen Rückzugsort bieten.

Ja, ich weiß, campen ist oft eine enge Angelegenheit. Egal ob im 3-Mann-Zelt oder im Riesenwohnmobil.

Aber mit ein bisschen Erfindungsgeist kann auch in der allerengsten Unterkunft ein Plätzchen geschaffen werden, das nur für das Kind da ist.

Der Schlafbereich bietet sich als Rückzugsort an.

Im Wohnmobil ist es einfacher. Da gibt es meistens ein festes Bett und ein Fach oder sogar einen kleinen Schrank für die Spielsachen. Hier kann das Kind auch tagsüber mal den Vorhang zuziehen oder auch ganz buchstäblich der Welt den Rücken zudrehen.

Im Zelt geht es natürlich enger zu. Aber auch hier kann man dem Kind eine Seite oder eine Ecke zuweisen, am besten immer die Gleiche, die ganz ihm gehört. Da haben Mama, Papa oder Geschwisterkinder nichts zu suchen – außer natürlich nach ausdrücklicher Einladung.

2 Die eigenen Sachen

Zum eigenen Bereich gehören natürlich die eigenen Sachen.

Dazu gehören die Klamotten, die Spielsachen, aber auch kleine, feine Besonderheiten wie ein besonders schöner Trinkbecher, den sich der Zwerg vor der Reise selbst aussuchen durfte.

Reisen im Campervan

Mit dem Reisen kommt manchmal auch ein Gefühl der Angst oder des Verlustes.

Manche Kinder sind hier sensibler als andere.

Falls ihr ein Kind habt, das sehr am Zuhause hängt und zu Heimweh neigt, dann kann es helfen, wenn es auch unterwegs seine bekannten, gewohnten, Sicherheit-gebenden Dinge hat.

Kuscheltiere sind hier ein großer Helfer.

Bindet das Kind schon beim Packen und beim Vorbereiten mit ein und lasst es seine Sachen alleine oder mit ein bisschen Hilfe selbst aussuchen.

Kinder wissen oft am besten, was ihnen Trost und Vertrautheit spendet und manchmal sind es die Dinge, die uns Erwachsenen nicht ganz so offensichtlich erscheinen – wie der lila Joghurtlöffel, der immer zum Frühstück benutzt wird.

3 Verantwortung übernehmen lassen

Campen ist Teamsport und jeder hat seine Aufgaben.

Auch schon die Kleinsten können regelmäßige Aufgaben übernehmen.

Unsere Tochter ist beispielsweise die Stufenausfahrbeauftragte.

Jedes Mal, wenn wir einen neuen Stellplatz anfahren, steigt sie stolz aus dem Wagen und fährt die Stufe nach draußen. Erst dann ist der Weg ins und aus dem Fahrzeug freigegeben.

Das verbindet gleich mehrere Prinzipien, die ihr wahrscheinlich alle von euren Kindern kennt:

Rituale helfen dabei, den Alltag zu meistern, sich sicher zu fühlen und das Wirrwarr der für Kinder großen weiten Welt zu entzerren.

Kleine Erfolge stärken das Selbstbewusstsein und tragen maßgeblich zu guter Laune bei.

Wenn ihr euren Kindern regelmäßige Aufgaben übertragt, die sie selbständig erledigen müssen, dann zeigt ihr Vertrauen. Das wiederum gibt euren Kindern das Gefühl, ein wichtiger Teil der Reisegruppe zu sein.

(Ich habe mir sagen lassen, dass es spätestens im Teenageralter mit dem Aufgabenverteilen nicht mehr so klappt. Ich übernehme daher weder Garantien noch Verantwortung :))

4 Routen im Voraus und mit Bedacht planen

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Camper:

Die Planer, die nichts dem Zufall überlassen, die ihre Strecke genau kennen, die Campingplätze vorausgebucht haben und den Verkehr schon wochenlang im Auge haben, um im Ernstfall sofort reagieren zu können.

Und dann gibt es die Drauflosfahrer. Diejenigen, die heute noch nicht wissen, wo sie morgen sein werden und die manchmal auch noch nachmittags um 4 die Strecke ändern.

Dieser Tipp richtet sich an beide Gruppen.

Denn mit Kind muss man zugleich gut planen und sehr flexibel sein.

Der Weg zum Urlaubsort gehört schon zum Urlaub dazu. Und mit Kindern hat jede Autofahrt das Potential zum Desaster zu werden.

Mein wichtigster Tipp: haltet Autofahrten so kurz wie möglich.

Plant Zwischenstopps ein, macht aus einem Fahrtag zwei (oder sogar 3). Packt genug Snacks, stellt Unterhaltung wie z.B. Hörbücher für eure Kinder bereit.

Ich kann euch an dieser Stelle keine absolute Höchstgrenze geben, denn nur ihr kennt euer Kind und eure Urlaubssituation. Aber stresst euch nicht unnötig, nur um möglichst viele Kilometer pro Tag zu fahren.

Das gilt vor allem dann, wenn ihr eine längere Rundreise macht.

Und wenn es dann doch mal eine längere Fahrstrecke sein muss, dann plant genug Pausen ein. Vielleicht gibt es auf dem Weg auch die ein oder andere Aktivität, die man mit Kindern machen kann. Das macht die Fahrstrecke erträglicher.

5 Nach Aktivitäten Ausschau halten, die allen gefallen

Als Erwachsener hat man andere Interessen als der Nachwuchs. Das ist einfach so, und das ist auch völlig in Ordnung.

Solange man das bei der Planung der Urlaubsaktivitäten im Auge behält.

Das heißt nicht, dass man die Stadt nicht besichtigen, das Museum nicht besuchen und den Berg nicht erklimmen kann.

Aber es heißt, dass man ein bisschen Balance halten muss, und alle Interessen der Familienmitglieder im Auge behalten sollte.

Die Kleinen sind wesentlich zufriedener, wenn auch sie gehört werden und wenn auch ihren Lieblingsaktivitäten nachgegangen wird.

So kann übrigens auch schon im Voraus zu Hause der Urlaub gemeinsam geplante werden – das macht viel Spaß und steigert die Vorfreude.

6 Campingplätze vorher prüfen

Habt ihr euch die Campingplätze vorher schon mal angeschaut? Haben sie Unterhaltungsmöglichkeiten für Kinder? Spielplätze? Kinderwaschbereich? Schwimmmöglichkeiten? Sind die Wege nicht zu lang?

Versucht auch hier, Unterkünfte zu finden, die möglichst nah an euren Bedürfnissen liegen. Zu zweit ist es einfacher, Abstriche zu machen. Aber dem 3-jährigen Kind zu erklären, dass es jetzt eben keine Schaukel gibt, ist manchmal etwas schwieriger.

Am besten ist es, wenn ihr schon vorher eine Liste macht mit euren wichtigsten Kriterien und euch mögliche Campingplätze schon heraussucht.

Es gibt dazu jede Menge Campingführer und jede Menge Apps.

Mein persönlicher Tipp (nicht gesponsert): Die ADAC App. Die kostet zwar etwas (zurzeit um die 9€), ihr bekommt aber dazu die ADAC Campcard, mit der ihr auf vielen Campingplätzen ein Jahr lang Rabatte bekommt. Die 9€ lohnen sich sehr schnell.

7 Flexibel bleiben

Mit Kindern ist es immer gut, sich eine extra Portion Gelassenheit von zu Hause mitzunehmen. Mal möchte man nicht schwimmen gehen, mal ist der Campingplatz indiskutabel, mal muss man einen Tag länger bleiben.

Mal ist das Kind krank, mal möchte es nicht Autofahren, mal muss ein Spielzeug ersetzt werden, mal extra Wäsche gewaschen werden, weil eine Matschpfütze aus dem Nichts angegriffen hat (zum wiederholten Male).

Auch ohne Kinder kann immer etwas schief gehen oder dazwischenkommen. Mit Kindern ist die Wahrscheinlichkeit aber viel, viel höher.

Plant daher extra ein. Extra-Zeit, Extra-Geld, Extra-Snacks, Extra-Geduld. Vor allem aber Extra-Flexibilität.

Nehmt euch die Freiheit, euren Plan auch mal zu ändern. Etwas anderes zu machen, als ihr eigentlich wolltet, ein anderes Reiseziel anzufahren, weniger Strecke zu machen, einen extra Tag zu bleiben.

Folg auch mal euren Kindern und lernt von ihnen ein bisschen, wie es war, als man noch in den Tag hineingelebt hat. Ihr werdet vielleicht erstaunt sein, wie erholsam das sein kann.

8 Stauraum, Stauraum, noch mehr Stauraum

Jetzt wird es etwas praktischer. Denn gerade wenn ihr wie wir mit einem kleinen Campervan unterwegs seid, könnt ihr jedes bisschen Stauraum brauchen. Daher möchte ich euch ein paar Tipps mitgeben, wie wir es organisieren, damit unser Zeug nicht unsere Unterkunft und unseren Urlaub übernimmt.

Hinweis: Ich habe die einzelnen Teile mit Amazon verlinkt, dann könnt ihr Preise und Bewertungen checken (Vorsicht, Werbung!)

  1. Jedes Teil, das in unserem Camper wohnt, hat einen Platz. Und wird (meistens) auch sofort nach Benutzung wieder aufgeräumt.
  2. Jeder Schrank beherbergt eine bestimmte Art von Dingen: Kleiderschrank, Spielsachenschrank, Topfschublade, Tassenfach, Werkzeugkiste… Wenn diese Fächer voll sind, dann kommt nichts mehr aus dieser Kategorie mit (oder etwas anderes muss wieder ausgeräumt werden). Dafür gibt es keine Ausnahmen. Auf die Art ist es einfacher, sich zu beschränken und nicht immer mehr einzupacken.
  3. Gepäcknetze! Diese Dinger sind endlos praktisch und hängen bei uns an allen möglichen freien Plätzen. Es gibt sie in vielen verschiedenen Größen und Ausführungen.
  4. Ihr solltet nach jeder Reise euer Gepäck prüfen und die Dinge aussortieren, die ihr nicht genutzt habt (natürlich mit Ausnahme von Notfallsachen wie Medikamente oder Werkzeug)
  5. Schubladen und Schränke weiter unterteilen, bis ihr eine für euch passenden Ordnungsstruktur habt. Das könnt ihr mit Hilfe von Organizern, extra Fächern, Schubladenunterteilungen oder auch einfach mit Schuhkartons machen.
  6. Hängeaufbewahrungen sind genial für schmale Schränke oder auch frei hängend für leichte Spielsachen oder Klamotten. Auch die gibt es in allen möglichen Abmessungen. Nehmt euch ein bisschen Zeit und vergleicht die Maße eurer Schränke mit den Aufbewahrungen. So holt ihr den meisten Platz für eure Sachen heraus.
  7. Spezialtipp für alle, die gerne länger unterwegs sind. Wir haben immer unseren Scrubba dabei. Das ist ein kleiner Sack, mit dem wir am Ende jeden Tages eine kleine Menge Wäsche waschen. Das spart uns die teilweise überhöhten Preise für Waschmaschinen (wir haben schon bis zu 8€ pro Ladung bezahlt!) und wir können viel weniger Kleider mitnehmen, da wir jederzeit waschen können. Damit sparen wir enorm viel Platz. Ich möchte das Teil nicht mehr missen.
  8. Stirnlampe, Ladekabel, Taschenmesser, Flaschenöffner, Taschentücher, Schere, Klebeband, Pflaster… Auf so einer Reise braucht man jede Menge Kleinkram. Organisiert diesen thematisch passend in Plastikboxen. Bonuspunkte, wenn sie transparent sind. Dann habt ihr einen Riesenschritt in Richtung Ordnung gemacht.
  9. Extra Tipp: Macht vor eurer Reise nochmal einen kleinen Ausflug in unser aller Lieblingsmöbelhaus aus Schweden. Bei IKEA gibt es jede Menge Organisationslösungen für fast alle Gelegenheiten.

Und das war es für heute. Falls ihr weitere Fragen zum Thema Kinder und Familie auf Reisen und beim Camping habt, dann lasst es mich wissen. Ich beantworte gerne alles – soweit ich kann.

Bis dahin liebe Grüße

Eure Katja

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