Der Kinderarzt begleitet euch und euer Baby von Anfang an. Er (oder sie) schaut bei den geplanten U-Untersuchungen, ob sich alles planmäßig entwickelt; er ist beim ersten Fieber zur Stelle, hilft mit den Zähnchen, beugt vor mit Impfungen. Er ist Ratgeber und Vertrauensperson. Aber wie kann man den richtigen Kinderarzt finden?

Im Idealfall schaut ihr euch schon in der Schwangerschaft mehrere Arztpraxen genauer an, damit ihr vorbereitet seid. Es schadet auch nicht, den Arzt vorzuwarnen, dass bald ein neuer kleiner Patient kommt.

Aber auf was genau müsst ihr achten und welche Fragen solltet ihr stellen, um den richtigen Kinderarzt zu finden?

 

1. Wie ist die Anfahrt und wie sind die Parkmöglichkeiten?

Wir fangen pragmatisch-organisatorisch an. Mit einem kranken Kind wollt ihr wahrscheinlich weder besonders lange im Auto unterwegs sein noch ewig einen Parkplatz suchen oder sogar noch große Strecken zu Fuß zurücklegen.

Schaut euch vorher genau an, wo die Praxis liegt, wie diese zu erreichen ist, wie lange es dauert und wo ihr parkt bzw wo die nächste Bus- oder Bahnhaltestelle ist.

Ist auf der Strecke häufig Stau z.B. im Berufsverkehr?

Wenn ihr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seid, dann schadet es nicht, wenn ihr die Strecke vorher abfahrt. Besonders wenn ihr euch in der Gegend nicht auskennt.

2. Wie sind die Sprechzeiten?

Vor allem wenn ihr plant, nach dem Mutterschutz oder nach der Elternzeit schnell wieder arbeiten zu gehen, dann schaut euch die Sprechzeiten der Praxis an. Wie flexibel sind diese?

Gibt es auch Abends oder sehr früh morgens Termine?

3. Wie gut erreichbar ist die Praxis und wie freundlich und hilfreich sind die Sprechstundenhilfen?

Probiert das ruhig selbst aus und ruft in der Praxis an. Oft bekommt man schon mit einem einfachen kurzen Telefongespräch einen guten Eindruck wie die Praxis arbeitet, wie die Stimmung ist und wie gut ihr mit dem Team zurechtkommen werdet.

Am Telefon sollten die Sprechstundenhilfen freundlich und vor allem auch erreichbar sein. Wenn ihr stundenlang anrufen müsst bis jemand ans Telefon geht (selbst schon erlebt), Kinderarzt findendann macht das keinen Sinn.

Ihr solltet euch auch nicht rechtfertigen müssen, um einen Termin zu erhalten.

Die Person am anderen Ende sollte eure Fragen geduldig und freundlich beantworten oder euch mit entsprechenden Antworten zurückrufen.

4. In Gemeinschaftspraxen: Wird dem Kind ein bestimmter Arzt zugeordnet?

Gemeinschaftspraxen haben ein paar entscheidende Vorteile gegenüber den Einzelkämpfern. Dazu gehört, dass die Urlaubsvertretung innerhalb der Praxis gemacht werden kann – somit ist die Praxis immer geöffnet.

Der Nachteil: In manchen Praxen sind die Kinder keinem Arzt direkt zugeordnet und werden jedes Mal von jemand anderem untersucht und behandelt.

Wenn es euch wichtig ist, dass ihr einen ‚zuständigen‘ Arzt habt, der im Normalfall für euer Kind da ist, dann sprecht das an und fragt nach.

5. Bei Einzelpraxen: Wie ist die Vertretung geregelt?

Erkundigt euch wie oft und wie lange die Praxis üblicherweise geschlossen ist und wer dann die Vertretung übernimmt.

Fragt ebenfalls, wo diese Vertretung stattfindet. Es kann gut sein, dass ihr in der Urlaubszeit ins nächste Kreiskrankenhaus fahren müsst.

Auch wichtig bei alleine arbeitenden Ärzten: Wie alt ist der Arzt und wann geht er in den Ruhestand?

6. Gibt es für kranke und gesunde Kinder unterschiedliche Warteräume?

Gerade sehr kleine Babys, die zu den ersten U-Untersuchungen kommen, sollten nicht im gleichen Wartezimmer warten müssen wie die erkälteten und mit Kinderkrankheiten geplagten Kindergarten- oder Schulkinder.

Fragt unbedingt nach, wie das in der Praxis gehandhabt wird.

7. Wie schnell bekommt man einen Termin?

Kinder haben nicht nur Krankheiten, die sofort untersucht werden müssen, sie brauchen manchmal auch Termine, die im Voraus geplant werden können.

Kinderarzt finden

Die planmäßigen Vorsorgeuntersuchungen kann man ohne Weiteres schon Monate vorher terminieren.

Aber es gibt auch Dinge wie Unverträglichkeiten, Entwicklungsstörungen, Schlafprobleme oder Ähnliches. Diese sind zwar nicht akut, sollten aber trotzdem so bald wie möglich angeschaut werden.

Wie schnell könnt ihr in diesen Fällen euren Arzt sehen? Innerhalb von ein paar Tagen? Oder dauert es Wochen?

8. Wie lange sind üblicherweise die Wartezeiten?

Hier ist es oft nicht so einfach von den Sprechstundenhilfen eine offene und ehrliche Antwort zu erhalten. Denn lange Wartezeiten entstehen in den allerseltensten Fällen aus Gleichgültigkeit oder sogar Boshaftigkeit.

Hinter langen Wartezeiten – zumindest wenn diese häufiger auftreten – steckt oft eine schlechte Praxisorganisation.

Natürlich kann es immer mal vorkommen, dass sich ein Notfall (oder 2 oder 3) dazwischen schiebt. Das ist völlig in Ordnung, denn beim nächsten Mal ist es vielleicht unser Kind, das dringend einen Termin braucht.

Kommt das allerdings häufig oder sogar immer vor, dann ist das ein Zeichen von mangelnder Planung.

9. Gibt es eine Telefonsprechstunde?

Man muss nicht mit jeder Frage sofort und immer direkt persönlich zum Arzt. Oft hilft es auch, in der Praxis anzurufen und entweder mit einer Sprechstundenhilfe oder direkt mit dem Arzt zu telefonieren.

Erkundigt euch, wann ihr anrufen könnt. Bei größeren Praxen gibt es durchaus auch Telefonnummern, die rund um die Uhr erreichbar sind.

10. Ist euch der Arzt sympatisch?

Ihr müsst eurem Arzt vertrauen können. Am Anfang ist Vertrauen schwierig, da ihr den Arzt wahrscheinlich noch nicht kennt und keine Erfahrungen mit ihm habt.

Damit sich Vertrauen aber aufbauen kann, sollte zumindest Sympathie vorhanden sein. Ihr müsst mit ihm zusammenarbeiten können, ihm zuhören können, seinem Rat folgen können und letztendlich auch lernen können, ihm zu vertrauen.

11. Welche Erziehungsgrundsätze vertritt der Arzt und wie gefestigt sind die Ansichten?

Ihr solltet euch einen Arzt suchen, der zu euch und euren Vorstellungen passt.

Es gibt Ärzte, die sich auf das rein Medizinische konzentrieren und sich mit Ratschlägen in Erziehungsfragen oder Beratungen anderer Art komplett zurückhalten.

Es gibt Ärzte, die bestimmte Vorstellungen von Erziehungsarten haben oder Erziehungsmethoden bevorzugen.

Es gibt Ärzte, die Dinge wie Baby-Lead-Weaning unterstützen oder ablehnen.

Es gibt Ärzte, die antrosophische Ansätze verfolgen.

Sucht euch den richtigen Arzt für euch.

12. Wie sind die Erfahrungen von anderen Eltern?

Verlasst euch im besten Fall nicht nur auf das, was ihr in der Praxis erfahrt.

Fragt Eltern, die mit ihren Kindern in die Praxis gehen, nach deren Erfahrungen.

Seid allerdings vorsichtig mit anonymen Bewertungen im Internet. Man weiß nie woher diese kommen…

Abschließend…

Die Auswahl des richtigen Kinderarztes ist sehr individuell und kann langjährige Folgen – sowohl positiv als auch negativ – haben.

Wählt deshalb euren Kinderarzt sorgsam und mit Bedacht. Schaut euch ruhig auch mehrere Kinderärzte an. Macht euch dabei nicht auf die Suche nach dem objektiv besten Kinderarzt sondern nach dem richtigen Kinderarzt für euch.

Ihr solltet einen Kinderarzt finden, der zu euch und eurem Baby passt.

Und noch ein Tipp: Unterschreibt nicht gleich beim ersten Besuch den Hausarztzettel, auch wenn der Arzt oder die Sprechstundenhilfe darauf drängt. Ihr werdet dafür noch genug Gelegenheit haben.

Und falls es dann trotz aller Mühe bei der Kinderarztwahl doch nicht passt: scheut euch nicht, den Arzt zu wechseln. Quält euch nicht jahrelang mit einem falschen Arzt herum. Ihr habt Alternativen.

Ich wünsche euch viel Erfolg und ein glückliches Händchen beim Kinderarzt finden und bei der Auswahl. Aber am meisten wünsche ich euch, dass ihr euren Kinderarzt nur bei den geplanten U-Untersuchungen und den Impfterminen seht.

Wenn ihr euch vorher noch ein wenig informieren wollte, dann habe ich euch noch ein paar Links zusammengestellt.

Ressourcen:

==> Die U-Untersuchungen in der Übersicht
==> Kinderärzte im Netz
==> Impfkalender für Kinder

Alles Liebe und ganz viel Gesundheit!

==> Alle unsere Artikel zum Thema Gesundheit

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