Ganz oft sprechen wir in unseren Artikeln über die Anhock-Spreiz-Haltung, wenn es um das Tragen von Babys geht. Aber warum ist sie so wichtig?

Die Anhock-Spreiz-Haltung ist deshalb so wichtig, da sie die natürliche Entwicklung der Hüfte und auch der Wirbelsäule unterstützt. Babys sind in früheren Zeiten praktisch auf der Hüfte von Mama groß geworden. Der komplette Bewegungsapparat hat sich dieser Situation angepasst und die Wachstumsprozesse darauf eingestellt. Wie genau das funktioniert und wie ihr es unterstützen könnt, lest ihr in diesem Artikel.

Denn wir können leider nicht alle möglichen Tragehilfen für euch testen und auf Ergonomie untersuchen. Aber wir können euch sagen, warum die Anhock-Spreiz-Haltung bei Babys so wichtig ist und wie ihr sie erkennen könnt. Damit könnt ihr dann selbst beurteilen, ob die Trage, die Wippe oder die Stoffwindel, die ihr kaufen möchtet, auch gut für den Nachwuchs ist.

Und wir sprechen auch darüber, was ihr absolut nicht tun solltet, und welche Produkte für die gesunde Entwicklung von Säuglingen eher schädlich sind. Denn die gibt es leider auch.

Aber jetzt fangen wir erstmal mit dem Wichtigsten an:

Was ist die Anhock-Spreiz-Haltung?

marsupi trage anleitungDen Begriff Anhock-Spreiz-Haltung wird ganz oft genannt, wenn es um Babytragen geht. Das liegt daran, dass Babys tatsächlich Traglinge sind. Sie wollen getragen werden und fühlen sich in Tragehilfen wie z.B. Tragetüchern oder Babytragen wohl und geborgen.

Und schon die ganz Kleinen machen vor, wie es richtig geht. Denn auch schon Neugeborene ziehen instinktiv die Beinchen an, wenn man sie hochnimmt. Diese Haltung gilt es zu unterstützen.

Der Name sagt es…

Das Prinzip der Haltung erkennt man schon, wenn man sich den Begriff etwas näher anschaut.

Anhock: Die Beine des Babys sind angezogen, so dass die Knie oberhalb der Hüfte, etwa auf Höhe des Nabels liegen.

Spreiz: Die Oberschenkel sind zur Seite abgespreizt und geben der Hüfte so viel Raum.

In der richtigen Haltung sieht das Neugeborene so ein bisschen aus wie ein Frosch. Fußgelenke, Knie und Hüfte bilden den Buchstaben ‚M‘ ab. Das ist auch der Grund, warum diese Haltung manchmal auch Froschhaltung oder M-Haltung genannt wird.

Wie ist die Anhock-Spreiz-Haltung entstanden?

Bei dieser Frage hilft ein Blick in die Geschichte der Menschheit weiter.

Es ist noch gar nicht so lange möglich, kleine Babys sicher hinlegen zu können. Denn ein festes Dach über dem Kopf, das vor Gefahren schützt und Kinderbetten von IKEA, die bequemen Schlaf versprechen, gibt es noch nicht so lange. Noch vor einigen hundert Jahren war das Tragen des Babys kein moderner Back-to-the-roots Trend, sondern eine schlichte Frage des Überlebens.

Hips don’t lie

Anhock-Spreiz-HaltungÄhnlich wie bei unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, waren Menschenbabys immer, egal ob tagsüber oder nachts, am Körper eines Erwachsenen, meistens der Mutter. Und dafür eignet sich – ohne entsprechende Tragehilfen – der Sitz auf der Hüfte am besten.

Und genau dort ist die Anhock-Spreiz-Haltung entstanden: Sitzend auf der Hüfte, mit angezogenen, gespreizten Beinen, sicher geschützt von Mamas Arm und eng an Mamas Körper gekuschelt.

Wenn alle Zeichen auf Tragen stehen…

Ihr erkennt diese Entwicklung zum Tragling übrigens nicht nur an den Beinen. Es gibt noch ein paar andere deutliche Anzeichen dafür, dass Säuglinge nicht fürs Babybett geschaffen wurden: Das typische, gekrümmte Rückrat; der Schreireflex beim Hinlegen; der Mororeflex oder Klammerreflex, bei dem sich auch die Allerkleinsten schon versuchen am Körper der Mutter festzuhalten; die schiere Panik, die Neugeborene empfinden, wenn sie abgelegt werden.

Die komplette Anatomie und Verhaltensweise ist darauf abgestimmt, getragen zu werden.

Was sich über tausenden von Jahren entwickelt hat, das kann sich nicht in ein paar hundert Jahren seit Erfindung von Eigentumswohnung und Gitterbetten, wieder ändern.

Babys sind und bleiben vorerst Traglinge. Nur müssen wir sie nicht mehr ganz ohne Unterstützung auf der Hüfte tragen. Dafür gibt es jetzt Babytragen und Tragetücher. Und viele davon sind ergonomisch richtig gut.

Warum ist die Anhock-Spreiz-Haltung so wichtig?

Die richtige Haltung ist deshalb so immens wichtig, weil es die gesunde Entwicklung der Hüfte und auch des Rückens unterstützt. Wie ihr schon wisst, haben wir uns über Jahrtausende an das Tragen angepasst. So hat sich auch die Entwicklung unseres Skeletts und unserer kompletten Anatomie auf diese Haltung eingestellt.

Weil die Hüfte unfertig geliefert wurde!

Die Knochen von Neugeborenen sind noch nicht fertig verknöchert. Das heißt, dass sie zum Teil noch weich sind und aus Knorpel bestehen. Viele kennen das vom Kopf, der in der ersten Zeit durch die Fontanellen noch formbar ist. In vielen Fällen ist so eine Geburt erst möglich, ohne schwere Verletzungen bei der Mutter.

So ähnlich ist das auch bei der Hüfte. Sie ist noch nicht richtig fertig bei der Geburt und durchaus auch noch formbar. Wenn jetzt die Hüfte die meiste Zeit in der richtigen Form liegt, dann funktioniert die Verknöcherung ohne Probleme.

Übrigens fördert die richtige Haltung nicht nur die richtige Verknöcherung, sondern sorgt auch dafür, dass die Verknöcherung schneller voranschreitet. Das liegt daran, dass in der Anhock-Spreiz-Haltung die Durchblutung angeregt wird und gleichzeitig Bänder und Muskeln nicht unter Anspannung stehen, also nicht gedehnt werden.

Es gibt noch mehr!

Und weil das noch nicht genug war, hat die Anhock-Spreiz-Haltung auch noch positive Auswirkung auf den Rücken. Denn durch die Haltung des Beckens wird der Rücken automatisch in eine gesunde Rundung gebracht.

Dadurch wird die Bildung der doppelten S-Form der Wirbelsäule unterstützt (die ist übrigens erst abgeschlossen, wenn das Kind anfängt selbst zu laufen) und auch diese kann sich gesund entwickeln.

Was kann passieren, wenn Babys regelmäßig und lange Zeit in einer falschen Haltung verbringen?

Ist die Hüfte während dieser entscheidenden Phase in den ersten Lebensmonaten oft und lange Zeit in einer falschen Lage, dann entsteht durch Verknöcherung eine Deformation.

Befindet sich das Kind in der Anhock-Spreiz-Haltung, dann rutschen die Oberschenkelknochen in eine optimale mittige Position in die Gelenkpfanne der Hüfte. Es wird gleichmäßiger Druck nach allen Seiten ausgeübt. Es ist die optimale Haltung für eine gesunde Hüftentwicklung.

Jetzt stellt euch das Ganze mit hängenden Beinen vor, oder liegend mit Beinen, die zu eng beieinander stehen. Die Knochen der Oberschenkel drücken jetzt einseitig auf die Gelenkpfanne. Da die Hüfte noch nicht ‚fest‘ ist, kann sie nachgeben. Passiert das regelmäßig, dann sind Verformungen der Hüftknochen und auch der Oberschenkelknochen mögliche Folgen.

Das kann langwierige Behandlungen, Operationen bis hin zu lebenslangen Behinderungen nach sich ziehen.

Übrigens sind Mädchen viel öfter von einer Verformung der Hüfte betroffen als Jungen.

Verformungen der Hüfte sind kein Spaß

Der Fachausdruck dafür ist Hüftdysplasie. Eine Hüftdysplasie kann man zuerst meist daran erkennen, dass beim Säugling der Po schief ist, und das Strampeln mit den Beinen sehr ungleich ist.

Wenn ihr den Verdacht habt, dass euer Kind ein Problem mit der Hüfte hat, dann geht bitte sofort und unmittelbar zum Kinderarzt (Jetzt). Je früher eine Hüftdysplasie erkannt wird, desto eher kann sie ohne Folgeschäden behandelt werden. 

Ich zitiere von Wikipedia:  Ohne Behandlung kommt es bei schweren Formen zu bleibenden Schäden des Hüftgelenks mit Hinken, Gangstörungen und Schmerzen. Endzustand schwerer Formen ist die Hüftgelenksarthrose. 

Welche Produkte fördern die gesunde Entwicklung?

So ziemlich alles, was die Anhock-Spreiz-Haltung begünstigt. Darunter fallen vor allem Tragehilfen wie Tragetücher und Babytragen. Denn wie wir schon das ein oder andere Mal erwähnt haben, finden es Babys ziemlich gut, getragen zu werden.

Unsere Helfer-Links zum Thema:

==> Interaktiver Ratgeber: Was ist die richtige Babytrage für euch?
==> Babytragen im Test – beliebte und aktuelle Modelle im Vergleich
==> Die besten Tragetücher im Vergleich

Italienische Windeln, Strickwindeln, BindewindelnDie zweite richtig gute Möglichkeit, die Anhock-Spreiz-Haltung zu unterstützen, auch wenn das Kind gerade nicht getragen wird, sind Stoffwindeln. Denn damit könnt ihr so richtig schön breit wickeln und die gesunde Haltung unterstützen. Auch dann, wenn das Baby lieber im Kinderwagen schläft oder mal ein Päuschen auf dem Sofa macht. (So ein Säuglingsleben ist schließlich auch anstrengend.)

Auch hier waren wir fleißig und haben schon Vorarbeit geleistet:

==> Stoffwindeln – Der große Ratgeber!
==> Stoffwindeln für Neugeborene

Was wird oft falsch gemacht?

Ein Baby darf nicht in der Trage hängen, es muss immer auf einem breiten Steg sitzen. Gefährlich wird es dann, wenn Tragetücher nicht richtig gebunden werden, und die Sitzfläche zwischen den Beinen zu schmal wird.

Die Beine sacken dann nach unten und das ganze Gewicht ruht auf ein paar Zentimetern Stoff. Die Schwerkraft tut dann ihr Übriges. In der ganz wichtigen ersten Zeit der Hüftentwicklung, wird diese in Richtungen gezogen, wo sie absolut nichts zu suchen hat. Damit können ernste Schäden angerichtet werden.

Nicht in Panik verfallen, es ist einfach zu vermeiden…

Die gute Nachricht: Dieser Fehler ist mit einem Blick zu erkennen. Solange ihr beim Anlegen des Tragetuchs oder der Babytrage kurz prüft, ob das Baby auf einem Steg sitzt, der von Kniekehle zu Kniekehle reicht, die Beinchen angewinkelt und gespreizt sind, kann nichts passieren.

Vermeidet außerdem all Arten von Tragen, bei denen das Baby vor dem Bauch getragen wird und nach vorne schaut. Auch hier ist die Belastung auf Hüfte und Rücken denkbar ungünstig.

Selbst wenn das Baby älter wird solltet ihr diese Haltung ganz vermeiden. (Wir finden es auch nicht wirklich toll, dass immer noch Tragen mit dieser Trageweise angeboten werden.)

Und unterstützt ruhig das Tragen mit dem breiten Wickeln mit Stoffwindeln. Gerade dann, wenn ihr mal nicht tragen könnt oder wollt.

Welche Produkte solltet ihr ganz meiden?

  • Babytragen, bei denen das Baby nach vorne schaut.
  • Babytragen mit einem schmalen Steg. Dieser sollte mindestens von Knie zu Knie gehen. Im Idealfall kann der Steg individuell angepasst werden.
  • Alle Produkte, egal ob Tragehilfen, Sitze oder Sonstiges, bei dem die Beine und Hüfte in eine unnatürliche Haltung gebracht werden.

Was könnt ihr tun, wenn Babys erste Probleme zeigen?

Zum Arzt gehen.

Eigentlich sollte das an dieser Stelle genügen. Denn Hüftdysplasie ist ein Problem, das zu ernst ist, um es erstmal mit Hausmitteln zu versuchen.

So sehr wir Fan von natürlichen Heilmitteln sind, und so sehr wir eine gesunde Lebensweise einem zu schnellen Nutzen von Medikamenten vorziehen, in einem solchen Fall gibt es wirklich nur einen möglichen Ratschlag:

Zum Arzt gehen.

Wenn dieser dann entscheidet, dass breites Wickeln, verstärktes Tragen oder orthopädische Höschen ausreichen, dann ist das umso besser. Aber es kann tatsächlich nur ein Arzt entscheiden, ob das auch auf lange Sicht ausreicht.

Denn die Folgen von unbehandelten Hüftfehlstellungen können ein ganzes Leben anhalten und zu vielfachen Komplikationen führen.

Je länger eine Diagnose und eine Behandlung hinausgezögert wird, desto größer sind die möglichen Einschränkungen für euer Kind.

Also bitte, geht zum Arzt, wenn ihr auch nur einen leisen Verdacht habt, dass mit der Hüfte eures Babys etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Aber macht euch auch nicht verrückt. Wenn ihr selbst nichts erkennt und regelmäßig zu den U-Untersuchungen geht, dann könnt ihr euch so gut wie sicher sein, dass es eurem Zwerg und seiner kleinen Hüfte gut geht.

 

Und damit verabschiede ich mich für heute und wünsche eine tolle Tragezeit.

Eure Katja

P.S. Weil’s so schön war, hier nochmal die Links zu den Trage- und Ratgeberseiten:

==> Interaktiver Ratgeber: Was ist die richtige Babytrage für euch?
==> Babytragen im Test – beliebte und aktuelle Modelle im Vergleich
==> Die besten Tragetücher im Vergleich

==> Stoffwindeln – Der große Ratgeber!
==> Stoffwindeln für Neugeborene

 

 

Photo credit: Anne Worner on Visual Hunt /CC BY-SA

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